Elternarbeit
Grundsätzliche Überlegungen und konkrete Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Projekt OLE! der Regierung von Unterfranken ( Irma Amrehn)
1. Grundsätzliche ÜberlegungenBayerisches Qualitätsmemorandum (BQM):„... Im Bewusstsein, dass Erziehung ihren Ursprung in der Familie hat, haben die Schulen daher die Aufgabe, enger als bisher mit den Erziehungsberechtigten zusammen zu arbeiten. Nur in einer aktiv gestalteten Erziehungspartnerschaft können individuelle Förderung und schulische Bildung gelingen. ...“
- Die Schule verfügt über professionelles Erziehungs-Know-How, das nur in konstruktiver Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten wirklich effizient werden kann.
- Die Schule muss sich öffnen, sie muss die Zusammenarbeit mit den Eltern als Aufgabe verstehen und sie offensiv entwickeln.
- Der Erziehungsauftrag der Schule umfasst die pädagogische Förderung der Schüler während der Unterrichtszeit und die Beratung und Unterstützung der Eltern in erziehlichen Fragen.
- Schule und Elternhaus müssen sich der gemeinsamen Verantwortung verpflichtet sehen, die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
2. Inhalte und Formen
Die Kooperation zwischen Schule und Elternhaus darf nicht dem Zufall überlassen bleiben, sie muss gezielt und planvoll realisiert werden.
2.1 Begegnungen schaffen
- Individueller Elternkontakt
Regelmäßige Elterngespräche über den Lern- und Entwicklungsstand des Kindes, differenziert nach Teilbereichen und gestützt auf langfristig angelegte Beobachtungen sowohl in der Schule als auch zu Hause, sind Grundvoraussetzungen für eine vertrauensvoll angelegte Atmosphäre zwischen der Lehrerin/dem Lehrer und den Erziehungsberechtigten.
- Informelle Elterntreffen
Eine Gesprächsrunde mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler in Form eines Elternstammtisches oder im Anschluss an einen offiziellen Informationsabend kann helfen, Hemmschwellen zu überwinden und Brücken zu bauen zwischen der Lehrkraft und den Erziehungsberechtigten.
- Mitgestaltung des Unterrichts und Stärkung des Sozialgefüges in der Klasse
Bei der Planung und Durchführung von Projekttagen und -wochen, Unterrichtsgängen, Wandertagen, Ausflügen, Festen und Feiern, bei Schüleraustausch und Schulpartnerschaften ergeben sich im Laufe des Schuljahres zahlreiche Gelegenheiten, immer wieder Eltern einzuladen, um Unterricht (außerhalb des Stundenplans) mitzuerleben bzw. bereits in der Vorplanung mitzugestalten.
Beispiele:
- Betreuung einer Schülergruppe und sachbezogene Arbeit bei einem Projekt
- Regelmäßige Betreuung von Lesegruppen
- Unterstützung bei der Arbeit mit Computern
- Begleiten einer Klasse bei Unterrichtsgängen und Ausflügen
- Gemeinsame Planung von Klassenfesten und -feiern
- Aktive Mitgestaltung der Lern- und Lebensgemeinschaft Schule
Innere Schulentwicklung kann nur dann gelingen, wenn alle an der Schule Beteiligten sich über gemeinsame Ziele einigen. Nur so kann für jede Schule ein eigenes Schulprofil entstehen, das die Schwerpunkte und die besondere Prägung der Einzelschule widerspiegelt, mit dem sich die in und mit ihr arbeitenden Personen identifizieren.
Je mehr Eltern auf den verschiedenen Ebenen einbezogen werden, desto intensiver bildet sich ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Schule, Kindern und Erziehungsberechtigten. Durch den Wechsel in der Elternschaft erhält die Schule immer wieder Impulse von außen, kann bisher Geleistetes reflektieren und sich erneut auf den Weg machen.
Verschiedene Lernangebote bereichern das Schulleben durch das Einbeziehen von Eltern als Experten. In enger Kooperation mit den Lehrkräften kann so die Palette von Lern- und Arbeitsgemeinschaften erweitert und das Fachwissen von Eltern gezielt in den Unterricht (außerhalb des Stundenplans) eingebaut werden.
Beispiele:
- Computerlehrgang
- Instrumentalkurse
- Werkstattarbeit
- Mithilfe bei der Einrichtung von Klassenzimmern
- Mitgestalten des Schulhauses und Schulgeländes
- Mittags- und Ganztagsbetreuung
- Beratung ausländischer Mütter
- Vorstellen verschiedener Berufsbilder der Eltern
- Eltern als Bindeglied zu Vereinen, zur Gemeinde, zum Stadtteil
2.2 Inhalte vermitteln
- Fachbezogene Themen besprechen
Neben den notwendigen Elternabenden zur Weitergabe von Informationen, Terminen etc. vermitteln themenorientierte Veranstaltungen, auch klassenübergreifend organisiert, Eltern Einblick in die fachliche Arbeit. Der Lehrer als Experte bei der Organisation, Beratung und Beurteilung der Leistungsprozesse seiner Schüler kann somit für Transparenz von Unterricht, Curriculum und fachspezifischen Methoden sorgen.
Beispiele:
- Aufsatzerziehung
- Inhalte des Mathematiklehrplans, Umgang mit Sach- und Textaufgaben
- Ausprägung der Sachfächer
- Fremdsprachenunterricht
- Einsatz neuer Medien im Unterricht
- Arbeitsmethoden
- Leistungsbeurteilung und Notengebung
- Informationsabende (Einschulung, Übertrittsverfahren, Schullaufbahnberatung)
- Pädagogische Themen diskutieren
Erziehung als gemeinsame Aufgabe von Schule und Elternhaus betrachten heißt auch, sich gemeinsam Gedanken zu machen über Werte der Erziehung, über Ziele, Methoden und Maßnahmen.
Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zweier kompetenter Partner hat auch präventiven Charakter. Sie benötigt Zeit, muss wachsen und bedarf einer symmetrischen Kommunikation.
Kinder und Jugendlich finden Orientierung in den Personen, die sich um ihre Erziehung annehmen, wenn sie sich innerhalb eines eindeutig definierten Rahmens zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln können. Diese Eckpunkte der Erziehung sowie deren Werte gilt es, gemeinsam abzuklären.
Beispiele:
- Normen und Regeln in der Klasse, in der Schule und zu Hause
- Streitschlichterprogramme, MUT-Projekte
- Übernahme von Verantwortung: Schüler helfen Schülern
- Seminare zum Thema „Lernen lernen“
- Vereinbarungen/Kontakte zwischen Schülern, Lehrern, Eltern
- Werterziehung
Mit Hilfe von Experten, wie Beratungslehrern, Schulpsychologen, Mitarbeitern von Beratungsstellen usw., können pädagogische Schwerpunkte inhaltlich ausgestaltet werden.
Beispiele:
- Suchtprävention
- Verhaltensauffälligkeiten
- Besondere Begabungen
- Über Aktuelles informieren
Regelmäßige Information der Eltern über das Schulgeschehen sorgt für die Transparenz der schulischen Arbeit in den Klassen und im gesamten Lern-, Lebens- und Erfahrungsraum Schule.
Beispiele:
- Elternbriefe, Zeitung für Eltern
- Darstellung von Projekten bei Elternbeiratssitzungen
- Schautafel oder Litfaßsäule in der Aula
- Örtliche Presse
2.3 Gemeinsam reflektieren
Kooperation bedarf der Reflexion, um auf die gemeinsam geleistete Arbeit zurückzublicken, gelungene Zusammenarbeit weiterzuführen und neue Ansätze zu finden.
Sowohl bei der internen als auch bei der externen Evaluation von Schule müssen die Eltern berücksichtigt werden und Gelegenheit erhalten, ihre Meinung einzubringen.
3. Methoden
3.1 Konstruktive Gestaltung von Elterngesprächen
Das Gespräch mit den Eltern bildet die Basis konstruktiver Zusammenarbeit. Das setzt vor allem Kompetenz bei Lehrkräften hinsichtlich der Gesprächsführung voraus.
Grundlagenkenntnisse der Kommunikation werden in der Lehrerfortbildung vertieft und trainiert.
3.2 Moderation von Elternabenden
Informationsveranstaltungen für Eltern können adressatenorientiert und zielgerichtet gestaltet werden durch den Einsatz verschiedener Moderationsmethoden. Diese ermöglichen eine wesentlich aktivere Teilnahme im Vergleich zur bloßen Darbietung von Inhalten, lassen eine konstruktive Auseinandersetzung zu und locken Eltern aus ihrer passiven Zuhörerrolle.
4. Resümee
Diese Zusammenstellung ist als Anregung, nicht als umfassendes Konzept zu verstehen. Sie ist offen für viele weitere Möglichkeiten und sollte von jeder Schule nach den spezifischen Gegebenheiten weiter entwickelt werden.
Gute Ideen sind beispielgebend und wirken ansteckend. Werden die einzelnen Ebenen der Kommunikation und die Möglichkeiten der Kooperation mit Eltern in einem Lehrerkollegium gesammelt und ein für die gesamte Schule passendes Konzept „Zusammenarbeit Schule und Elternhaus“ erstellt, erfahren Eltern Akzeptanz als Partner in der Erziehung und Bildung ihrer Kinder und Lehrer Unterstützung ihrer Arbeit.
Schule darf nicht nur eine Institution neben dem Elternhaus und der Familie sein; sie muss vielmehr alle Möglichkeiten nutzen, sich zu öffnen und die Eltern in die gemeinsame Erziehungsarbeit mit einzubeziehen.
Schule als Institution für professionelles Erziehen muss auch Eltern helfen, wenn die Erziehungskraft der Familie nicht mehr ausreicht und präventiv ein Netzwerk bilden mit anderen relevanten Institutionen und gesellschaftlichen Gruppierungen, die ebenfalls Verantwortung tragen für die Erziehung unserer Kinder.
„Nicht weil es schwer ist,
wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen,
wird es schwer.“
Seneca
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