Thema Inklusion im Schulamtsbezirk Main-Spessart

Thema Inklusion im Schulamtsbezirk Main-Spessart

Inklusion – wichtige Aufgabe für unsere Gesellschaft

Karlstadt. Mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und dem damit verbundenen Gedanken der Inklusion beschäftigten sich am Donnerstag, dem 28.01.2010, zahlreiche Lehrkräfte sowie die Beratungslehrer und alle Schulleiterinnen und Schulleiter der Grund-, Haupt- und Förderschulen des Landkreises Main-Spessart in der Aula der Konrad-von-Querfurt-Hauptschule in Karlstadt.

Mit einem persönlichen Rückblick auf die Entwicklung der Sonderschuleinrichtungen seit den 70er Jahren sowie auf entsprechende Veränderungen eröffnete Schulrat Bruno Fries die Veranstaltung des Staatlichen Schulamtes Main-Spessart. Nach dem Aufbau eines differenzierten Sonderschulwesens gewann auch in Bayern der Gedanke der Integration zunehmend an Boden. Verstärkt seit der Novellierung des BayEUG 2003 sucht man nach Möglichkeiten, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der allgemeinen Schule zu unterrichten.  

Zur näheren Erläuterung der besagten Un-Konvention, die seit dem 26.03.2009 geltendes Deutsches Recht ist, war die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Frau Irmgard Badura eingeladen. Sie, die selbst stark sehbehindert ist, begann ihre Ausführungen mit der Bitte um einen Perspektivenwechsel: „Wir sind nicht behindert – wir werden behindert!“ Danach beleuchtete sie die wichtigsten Ziele der UN-Konvention. Dabei ist vor allem der Begriff der Inklusion bedeutsam, das heißt die Teilhabe aller behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben in allen Lebensbereichen (auch in der Schule), alle sind gleichberechtigt.  Außerdem sollen volle Bürgerrechte, Autonomie und Entscheidungsfreiheit für alle behinderten Menschen gelten. Als Staatsziel wird die barrierefreie Gesellschaft anvisiert, die sich sowohl auf gedankliche (z.B. Recht auf Bildung ohne Diskriminierung) als auch auf bautechnische (z.B. abgesenkte Bürgersteige) Konstrukte bezieht. Jedes Land hat sich verpflichtet die vereinbarten Ziele anzustreben und muss alle vier Jahre einen Bericht in Genf über das Vorankommen abgeben. Bisher wurde die Inklusion nach Aussage von Frau Badura auf Bundesebene noch zu wenig thematisiert. Dafür gibt es aber in manchen Bundesländern, so zum Beispiel in Bayern, schon eine rege Diskussion, vor allem auch über die Realisierung der Konventionsziele im schulischen Bereich.

Nach einem Gedankenaustausch mit der Referentin nutzten die Lehrkräfte die Pause zu intensiven Gesprächen bei Kaffee und Kuchen, den die Schülerfirma der Hauptschule Karlstadt unter der Leitung der Lehrerinnen Frau von Kalman und Frau Rüb bereitgestellt hatte.

Anschließend referierte Frau Dr. Irmtraud Schnell
, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe-Universität Frankfurt, zum Thema „Auf dem Weg zur inklusiven Schule“. Ihrer Ansicht nach beruht die bisherige Strategie unserer Schulen auf Homogenität und Selektivität als Organisationsprinzip. Das wiederum widerspricht dem inklusiven Gedanken: Kinder sollen nicht mehr sortiert werden, sondern vielmehr eingebunden und Teil der Klassengemeinschaft sein. Es ist normal verschieden zu sein, nicht die Kinder müssen angepasst werden, sondern die Rahmenbedingungen! Ihre Thesen untermauerte sie anhand des gelungenen Beispiels einer inklusiven Schule in Münster. Deren Eckpfeiler basieren z. B. auf Altersmischung, Individualisierung, Differenzierung, Forscherteams, Ganztageseinrichtungen und sonder-pädagogischen Angeboten. „Schule hat die Aufgabe das Lernen zu ermöglichen, denn lernen kann jeder nur selbst!“, so eine ihrer zentralen Aussagen. Im Anschluss an ihren Vortrag stand Frau Dr. Schnell für Fragen zur Verfügung.

Schulamtsdirektor Ludger Maag beendete die Veranstaltung zusammenfassend: „Inklusion ist Fakt, muss umgesetzt werden! Inklusion ist sinnvoll, wertvoll und notwendig! Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif, vielmehr erfordert sie finanzielle und personelle Unterstützung! Wir wollen Barrieren abbauen und Haltungen aufbauen! Wir befinden uns am Beginn eines fortwährenden Prozesses!“

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