Nachkriegskinder

 

Das Internetdossier Nachkriegskinder in Bayern wurde vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und dem Bayerischen Rundfunk zur Verfügung gestellt. - www.br-online.de/jugend/izi/

Sämtliche Bild- und Textmaterialien sind das Ergebnis des Schulprojekts „Von Zigarettentausch und Kohlenklau – Als Oma und Opa Nachkriegskinder waren“, einem Kooperationsprojekt des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen, dem Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. 1000 bayerische Grundschüler erforschten im Rahmen dieses Schulprojekts das Leben ihrer Großeltern in den Jahren 1945 bis 1948.

Die Unterrichtshilfen wurden von Hanns Steinhorst und Maria Weininger entwickelt.

Bildnachweis (auch für Bildergalerie):
Kinder 1-5, Lebensmittelmarken, Schuhe, Tafel,Tagesration: Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen
Suchdienst 1-3, dorfleben 1-3: Weininger, Ebersberg
Trümmer 1-2: Walenta, Woringen - Geldschein 1-2: Sauer, München
Garten: Nelkel, Meeder  - Carepaket, Shculspeisung: Sponholz, Ebersberg
Klassenfoto: Lang, Woringen


Begleitend zum Projekt ist das Buch „Nachkriegskindheit in Bayern“ beim Wartberg Verlag erschienen. © Für schulische Zwecke sind alle Materialien verwendbar.

 

Einführung

Mit dem 8. Mai 1945 ist ein schrecklicher Krieg zu Ende gegangen, den Deutschland begonnen und schließlich verloren hatte. Amerikaner, Franzosen, Engländer und Russen besetzten als Sieger das Land und teilten es unter sich auf. Es wurden Militärregierungen eingesetzt. In Bayern kontrollierten amerikanische Soldaten das öffentliche Leben. Die Bevölkerung nannte die fremden Soldaten „Besatzer“.

15 Millionen Menschen verloren nach diesem Krieg ihre Heimat. Sie wurden ausgebombt,  vertrieben oder sind vor den feindlichen Soldaten geflohen. Das ist so, als müssten die Bewohner von 11 Städten, so groß wie München, ihre Heimat verlassen. Zwei Millionen Menschen haben diese Flucht aus ihrer Heimat nicht überlebt. Aber auch für diejenigen, die in ihren Häusern bleiben konnten, wurde der Alltag zum puren Überlebenskampf.  Die Städte waren zerstört, die Väter waren im Krieg ums Leben gekommen oder in Gefangenschaft geraten, es gab nichts mehr zu kaufen: Nichts war mehr so, wie es vor dem Krieg gewesen war.

Kinder erforschen die Kindheit ihrer Großeltern, suchen nach Zeugnissen aus der Zeit zwischen 1945 und 1948. Was hatten die Kinder zu essen, wie sah es in den Städten aus und was unternahmen die Menschen, um das zerstörte Land wieder aufzubauen?

Auf folgenden Seiten führen viele Geschichten, Unterrichtshilfen, Hörbeispiele und Bilder zurück in eine Zeit, in der mit Zigaretten bezahlt wurde, Autos mit Holz betrieben wurden und Klassenzimmer zu Flüchtlingslagern und Lazaretten umfunktioniert waren.

1. Unterrichtsvorschläge im Überblick  Übersicht im Word-Format

2. Die Geschichte der Magermilchbande Download im pdf-Format

  • Die abenteuerliche Geschichte der Magermilchbande wird aus dem Blickwinkel eines neunjährigen Jungen erzählt. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und während der ersten Nachkriegsmonate schlagen sich fünf Kinder auf eigene Faust von Böhmen über den Bayerischen Wald, die Oberpfalz und Oberfranken durch das zerstörte und besetzte Deutschland nach Berlin durch.

    Die Magermilchbande wurde vor drei Jahrzehnten von Frank Baer ins Leben gerufen. Er hatte rund 400 Erwachsene aufgespürt, die in NS-Kinder-Landverschickungslagern gewesen waren und von dort durch das zerstörte und besetzte Deutschland flüchteten. Seine Recherche verarbeitete er in dem Jugendroman „Die Magermilchbande“.

    Die Bilder © BR entstanden bei den Dreharbeiten zum Film „Die Magermilchbande“. Beim Film handelt es sich dabei um einen Schatz aus dem Fernseharchiv. „Die Magermilchbande“. Er wurde 1978 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks mit großem Aufwand an verschiedenen Orten in der Tschechoslowakei gedreht. Danach ruhten die Sendebänder zehn Jahre Archiv. Das Kinderprogramm hat vor einigen Jahren „Die Magermilchbande“ in sein Serienangebot aufgenommen. Die Filme wurden dafür mit einer aufwändigen Farbkorrektur auf Hochglanz gebracht. Bei der Bearbeitung für das Kinderprogramm sind 14 Episoden von jeweils 25 Minuten Länge entstanden.

    Im Zusammenhang mit dem Schulprojekt „Von Zigarettentausch und Kohlenklau – Als Oma und Opa Nachkriegskinder waren“ wurde der Roman von Maria Weininger, im Auftrag des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen, in eine Kurzgeschichte umgeschrieben.

3. Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung: Unterrichtsmaterialien  (pdf) - jeweils mit Einführungstexten

4. Fotogalerie zum Projekt

hier

 

 

Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung

Leben mit dem Hunger

Tagesration für ein Grundschulkind


Leben mit dem Hunger

Das Ende des Krieges brachte für die Menschen zwar das ersehnte Ende der Bombardierungen, aber nicht das Ende der Not. Fabriken, Wohnungen und Geschäfte waren zerstört. Ganze Stadtteile lagen in Schutt und Asche. Das Zusammenleben der Menschen konnte nicht mehr organisiert werden.

Die Männer waren noch an der Kriegsfront, in Gefangenschaft oder hatten den Krieg nicht überlebt und die Frauen mussten ihre Felder ohne Hilfe selbst bestellen. Sie konnten nicht mehr genug Lebensmittel anbauen, um alle Menschen im Land satt zu bekommen. Um die gerechte Verteilung der Grundnahrungsmittel sicherzustellen, konnte man Eier, Mehl, Butter und Zucker nur kaufen, wenn man Lebensmittelmarken hatte.

Der Krieg hatte alles zerstört. Der Mangel an Nahrungsmitteln stellte vor allem die Mütter in den Städten vor große Probleme. Viele Kinder wären regelrecht verhungert, wenn nicht das Internationale Rote Kreuz und die amerikanische Militärregierung geholfen hätten. Diejenigen Kinder, die zu Hause zu wenig zu essen hatten, bekamen in der Schule täglich eine warme Mahlzeit. Diese Schulspeisung reichte aber nicht aus, um satt zu werden, es war gerade einmal genug, um nicht zu verhungern.

So war das Magenknurren in den Nachkriegsjahren ein ständiger Begleiter. Für die Mütter war es schwer, die Kinder leiden zu sehen. Sie gingen aufs Land, um dort auf Wiesen und Feldern etwas Essbares zu finden. Bei Bauern tauschten sie ihr letztes Hab und Gut gegen Lebensmittel. Das nannte man damals „Hamstern“, in Wirklichkeit war es aber Betteln, um zu überleben.
Unterrichtsmaterial:
Brotaufstrich_az
Eichelsuppe
Gustinbrei_az
Hunger2
Informationen
Interview
Jartoffelk_az
Lebensmittel
Lebensmittelmarken
Salat

 

 

Leben mit dem Kleidermangel

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Leben mit dem Kleidermangel

Die Kinder liefen vom Frühjahr bis in den Herbst hinein barfuss, manche von ihnen selbst im Winter. Passende Schuhe waren eine Rarität. Wenn sie zu groß waren, wurde so viel Papier in die Spitzen gestopft, bis die Kinder damit laufen konnten, ohne sie zu verlieren. Gab es gar keine Schuhe, halfen sich einfallsreiche Eltern selbst und fertigten Sohlen aus Holz, an denen Lederriemen befestigt wurden.

Es mangelte aber auch noch an vielen anderen Dingen. Wer Strümpfe brauchte, musste welche stricken, genauso war es mit Pullovern, und sogar die Unterwäsche war selbstgenäht oder gar handgestrickt. Da es aber keine Stoffe und auch keine Wolle gab, fand alles Verwendung, was man finden konnte: alte Mäntel, Wolldecken, Vorhänge, Betttücher und sogar Säcke.

Stricken und Häkeln waren groß in Mode. Die Mütter trennten mühsam alte Pullover auf, wickelten die Wolle angefeuchtet um eine Stuhllehne, um sie zu glätten.

Strumpfhosen gab es noch nicht. Die Strümpfe reichten bis zum Oberschenkel, und damit sie beim Gehen nicht herunterrutschen konnten, wurden sie oben an einem Knopf befestigt, der durch einen Gummi mit dem Unterhemd aus Leinen verbunden war. Das nannte man Straps.

Das Hemd war, wie fast alle Kleidungsstücke, entweder zu groß oder zu klein, gepasst hat selten etwas. Kaputte Hemdkrägen wurden durch ein Stück Stoff ersetzt, das aus dem Rückenteil desselben Hemdes herausgeschnitten war. An diese Stelle wurde dann ein schlechteres Stück Stoff, so genannte Betrügerchen, eingesetzt. Die Mädchen mussten Schürzen aus bunten Stoffen tragen, damit die Kleidung geschont blieb.
Unterrichtsmaterial:
Arbeitsblatt zum Selbermachen
Arbeitsblatt zur Spurensuche
Interview

 

Leben mit der Wohnungsnot

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Leben mit der Wohnungsnot

Die Wohnungsnot 1945 war bedrückend. Viele Menschen lebten in Massenlagern, Baracken oder Ruinen, ohne fließendes Wasser, ohne Heizung, manche sogar ohne ein eigenes Bett.

Die Wohnungsnot hatte einen Grund: Durch den Krieg waren viele bayerische Städte zerstört. In Würzburg zum Beispiel waren zwei von drei Wohnungen nicht mehr bewohnbar.

Dazu kam, dass durch den Krieg viele Deutsche in den Ostgebieten ihre Heimat verlassen mussten. Sie flohen aus Angst vor den fremden Soldaten oder wurden mit Gewalt aus ihren Häusern vertrieben. Zu Hunderttausenden kamen die Menschen zu Fuß oder mit Flüchtlingstransporten nach Bayern.

Für sie musste Wohnraum geschaffen werden. Es war keine Seltenheit, dass vier oder mehr Personen in einem Zimmer lebten, dass sich mehrere Kinder ein Bett teilen oder für viele Monate auf dem Boden schlafen mussten.  Die Notunterkünfte boten häufig keinen Schutz gegen Hitze und, was noch schlimmer war, auch nicht gegen Kälte. Bei Regen verwandelte sich der Boden um die Flüchtlingsbaracken am Stadtrand in einen Morast.

Es fehlte an Strom, Heizmaterial und Möbeln. Viele Menschen fürchteten, in den Wohnungen erfrieren zu müssen. In Städten wurden aus Angst vor der grimmigen Kälte ganze Parks abgeholzt. In Bamberg haben verzweifelte Menschen sogar das Parkett des Stadttheaters verheizt.

Das Leben in drangvoller Enge führte zu Konflikten. Es gab den Kampf um die einzige Kochstelle, um die Zinkbadewanne.
Unterrichtsmaterial:
Information
Bastelanleitung Zimmer
Arbeitsblatt Spurensuche
Interview

 

 

Begegnung mit dem Fremden

Carepaket

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Begegnung mit dem Fremden

Im April 1945 besetzten die amerikanischen Streitkräfte nach und nach die bayerischen Städte. Die Bevölkerung freute sich zunächst über diese Art der Eroberung nicht. Tiefflieger schossen auf alles was sich bewegte und versetzten die Menschen in Angst und Schrecken. Auch Schulkinder auf ihrem Weg zur Schule blieben von den Angriffen nicht verschont.

Wo von den deutschen Truppen Widerstand geleistet wurde, kam es in den letzten Kriegstagen noch zu schweren Zerstörungen. Städte wurden unter Beschuss genommen und Fliegerangriffe legten Häuser in Schutt und Asche.

Die amerikanischen Armeeangehörigen hatten den strikten Befehl, sich keinesfalls mit den Deutschen einzulassen. Das Verbot wurde aber schon bald durchbrochen. Die Männer mit der schwarzen Haut verteilten aus den Militärautos heraus Kaugummis (Chewing-Gum), Schokoriegel (Hershey-Bars) und Dosenfrüchte an die unterernährten Kinder am Straßenrand und schon bald wich die feindselige Stimmung einem freundschaftlichen Umgang zwischen den Besatzern und der deutschen Bevölkerung.

Die „Amerikahäuser“, die in ganz Bayern entstanden, boten ein reiches Angebot zur Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche.

Weihnachten 1945 setzte in den USA eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Die Amerikaner hatten aus dem Radio von Not und Hunger in Deutschland gehört. Sie organisierten Spenden von Nahrungsmitteln und Kleidern die in Paketen, sogenannten „Care-Paketen“, an deutsche Familien verteilt wurden. Wer die Schulbank drückte und zu Hause nicht genug zu essen hatte, bekam eine warme Mahlzeit in der Schule, die Schulspeisung. Viele Großeltern erinnern sich noch heute genau an den Geschmack von weißen Brötchen und Kakao und an die schwarzen Riegel aus Schokolade, die den Hunger für einen süßen Augenblick vergessen ließen.
Unterrichtsmaterial:
Information
Spurensuche
Interview

 

 

Spielen mit nichts

...Auf dem Land war weniger zerstört...

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Spielen mit nichts
Von Kinderreimen, Stoffpuppen und Fadenspielen

In den Städten der Nachkriegsjahre gab es keine Spielplätze. Die Straßen der Städte waren eine Trümmerlandschaft mit einem Mix aus Ziegeln, Putz, Holz, Eisenstangen, Möbeln, Kriegsmunition und auch Leichen. Nachdem der erste Schrecken über die Bombardierungen der Städte vorbei war, machten sich die Kinder auf die Suche nach Schätzen unter den Trümmern, während ihre Mütter damit beschäftigt waren, die riesigen Schutthaufen zu beseitigen, um ein halbwegs normales Leben wieder aufzubauen.

Ohne die Kontrolle der Erwachsenen eroberten sich die Kinder ihre Welt und hatten dabei nichts anderes zur Verfügung als ihre Beine, Hände, Augen und Ohren und viele Materialien, aus denen sich etwas basteln ließ. Die Kinder standen im Kreis, zählten lustige Reime in der Runde aus, sie warfen und rollten Schusser (bunte Glaskugeln), spielten „Fangsterl“ und „Verstecksterl“ zwischen den Ruinen und erprobten ihren Mut in gefährlichen Situationen.

Autos fuhren nur selten. Dafür gab es für die Kinder in den Straßen andere Gefahren: halb zusammengefallene Häuser, die jeden Moment einstürzen konnten, und scharfe Munition, Handgranaten und Panzerfäuste in den Straßengräben.

Auf dem Land war weniger zerstört, aber Spielsachen hatten die Kinder auch dort nicht. An Bächen und Flüssen ließ man selbstgebaute Schiffe schwimmen, mit einem scharfen Messer konnte man aus Weidenruten Pfeifchen basteln und beim Baden diente ein alter Autoreifen als Schwimmreifen.
Unterrichtsmaterial:

Bastelanleitung Steckenpferd
Spiele
Interview

 

Flüchtlinge: Flucht und Vertreibung

Suchdienst

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Flucht und Vertreibung

Deutsche gibt es nicht nur in Deutschland. Sie leben verstreut über die ganze Welt, so auch in den Ländern Osteuropas.

Von deutschem Boden aus hatten Hitler und seine Anhänger 1939 einen Krieg begonnen, der sich über mehrere Kontinente ausbreitete. Dabei litten die Menschen, hauptsächlich in der Tschechoslowakei, Polen und Russland, unter den deutschen Nationalsozialisten.

Als der Krieg zu Ende war, machte sich in Osteuropa ein grenzenloser Hass breit auf alles, was deutsch war. Es galt das Motto „Wie du mir, so ich dir!“ und die Soldaten rächten das, was ihren Völkern in den Jahren zuvor von Deutschen angetan worden war. Die deutsche Bevölkerung, die bis dahin die Gebiete in Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland, Egerland und Siebenbürgen bewohnte, wurde zur Zielscheibe des Hasses.

Eines Tages begannen die Behörden, sie mit Gewalt aus ihren Häusern zu vertreiben. Wer Glück hatte, wurde vorgewarnt und hatte einen Tag Zeit, um seine Sachen zu packen; wer Pech hatte, musste innerhalb weniger Minuten sein Haus für immer verlassen. Man durfte nur das mitnehmen, was man in einem Koffer, auf einem Handkarren oder im besten Fall auf einem Pferdewagen verstauen konnte.

Die Menschen wurden in Viehwaggons gepfercht oder mussten sich zu Fuß durchschlagen. Die Flucht verlief in vielen Fällen dramatisch, weil die Soldaten mit Panzern und Flugzeugen schneller waren als die Flüchtlinge, die nur langsam vorankamen.

Die Angriffe der Soldaten forderten viele Opfer. Im Chaos der Flucht wurden Kinder von ihren Eltern getrennt. Viele hunderttausend erschöpfter Flüchtlinge und Vertriebene kamen nach Bayern.

Die Menschen dort wussten allerdings nicht, was vorgefallen war. Sie wurden gezwungen, in ihrem Haus Platz machen, um die Fremden bei sich aufzunehmen. Wenn es zunächst auch Probleme gab, so dauerte aber meist nicht lange, bis sich innige Freundschaften zwischen den Alteingesessenen und den Flüchtlingen entwickelt hatten.
Unterrichtsmaterial:

Arbeitsblatt zur Flucht
Darstellung im Text
Erzählung
Spiel Kofferpacken
Arbeitsblatt Spurensuche
Interview

 

Von Kinderarbeit, Zigarettentausch und Kohlenklau

Dorfleben

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Von Kinderarbeit, Zigarettentausch und Kohlenklau

Die Kinder der Nachkriegsjahre lernten schon früh, Verantwortung zu übernehmen. Ihre Eltern konnten sie vor Gefahren nicht schützen, das hatte der Krieg gezeigt. Alle, selbst die Kleinsten,  mussten sich am Lebensunterhalt beteiligen. Kinder  sammelten Früchte und Kräuter, beseitigten die lästigen Schädlinge, wie den Kartoffelkäfer, auf den Feldern und halfen bei der mühsamen Arbeit in der Landwirtschaft.

Die Nachkriegskinder entwickelten schnell ein Gefühl dafür, wie man an Geld, Kaugummi, Zigaretten und Lebensmittel kommen könnte. Da wurde „geschachert“, das heißt mit seltenen Gütern gehandelt, „gehamstert“, was so viel bedeutete wie betteln, und nicht zuletzt auch geklaut. Man nannte das „Mundraub“, denn der Diebstahl diente selten dazu, sich einen Vorteil zu verschaffen oder sich zu bereichern, sondern einzig und allein dem nackten Überleben.

Erwachsene benutzten die Kinder, viele aus der Not heraus, manche aber auch aus Berechnung. Zerlumpte und abgemagerte Kinder erweichten schneller das Herz einer Bäuerin beim Hamstern, und Kinder wurden nicht bestraft, wenn sie beim Stehlen erwischt wurden. Erwachsene sind unbeweglicher und langsamer und haben manchmal einfach mehr Angst. Also stemmten die Väter ihre Kinder auf die vorbeifahrenden Güterwaggons, damit sie Kohlen herunterwerfen konnten.

Unter diesen Umständen ging Kindern und Jugendlichen das Gefühl für die Gefahren gelegentlich verloren. Unter vollem Risiko saugten sie mit Schläuchen Benzin aus den Tanks amerikanischer Fahrzeuge und beteiligten sich am so genannten Schwarzmarkt, dem verbotenen Handel  mit kostbaren Gütern.
Unterrichtsmaterial:

Information
Arbeitsanleitung Gerichtsverhandlung
Interview

 

Die Schule der Nachkriegszeit

Schulspeisung

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Die Schule der Nachkriegszeit

Als gegen Ende des Jahres 1945 die Schulen wieder geöffnet wurden, hatten die Kinder einen langen, heißen und schulfreien Sommer hinter sich. Es konnte für Monate in vielen Gemeinden und Städten Bayerns kein Unterricht mehr durchgeführt werden. Entweder fehlten dazu Lehrer, oder es gab keine Klassenzimmer mehr.

Die Lehrer waren, wie viele andere Männer auch, vermisst, in Gefangenschaft oder haben den Krieg nicht überlebt. Stand ein Lehrer unter dem Verdacht, den Nationalsozialismus unterstützt zu haben, wurde er mit einem Berufsverbot belegt.

Unter diesen Umständen blieben nicht mehr viele Männer übrig, um Unterricht zu halten. Aus der Not heraus wurden Personen eingestellt, die noch niemals vorher vor einer Schulklasse gestanden waren. Was bis dahin nicht denkbar war, wurde dann selbstverständlich: Klosterschwestern und junge Frauen unterrichteten plötzlich nicht mehr nur Handarbeit, sondern auch Rechnen und Schreiben.

Als die Kinder nach langer Zeit wieder die Schule besuchten, erkannten sie häufig ihre Klassenzimmer nicht mehr wieder. In der Zwischenzeit waren darin Lazarette untergebracht, dann amerikanische Soldaten einquartiert und später wurden die Schulen als Notunterkünfte für Flüchtlinge benutzt. Die Schulmöbel waren verschwunden und die Unterrichtsmaterialien mussten oft mühsam wieder zusammengesucht werden.

Es galt aber auch noch andere, viel wichtigere Probleme zu lösen. Den vom Verhungern bedrohten Kindern musste geholfen werden. Sie bekamen in der Schule eine warme Mahlzeit, die man „Schulspeisung“ nannte. Und eine schwierige Frage war, wie Kinder auch im Winter die Schule besuchen konnten, wenn sie keine Schuhe besaßen. Es dauerte in manchen Schulgemeinden einige Jahre, bis man den Mangel an Schuhen in den Griff bekommen hatte.

Vor diesen Problemen schien es schon fast unwichtig, dass es keine Hefte, keine Stifte und keine Bücher mehr gab und dass manche Kinder nicht einmal einen Schulranzen besaßen. Anstelle von Heften und Stiften benutzte man Schiefertafeln und Griffel und wenn die Tafel vollgeschrieben war, musste sie wieder abgewischt werden, bevor man weiterschreiben konnte. So war es notwendig, sich alles gut zu merken.

In Klassen mit fünfzig bis achtzig Kindern griffen die Lehrer und Lehrerinnen oft mit drastischen Maßnahmen durch. Schläge waren an der Tagesordnung und auch das gefürchtete Scheitlknian und Eckerlstehn.
Unterrichtsmaterial:

Information
Arbeitsblatt Spurensuche
Praxistag

 

 

Die Wunden des Krieges

Kinder: Klassenfoto

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Die Wunden des Krieges

Zerstörte Städte waren für die Menschen 1945 ein gewohnter Anblick. Die Bomben hatten das Land in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Die amerikanischen, britischen, französischen und russischen Truppen hatten bereits die Kontrolle über viele deutsche Städte erlangt, da glaubten die Machthaber in Deutschland noch immer, sie könnten die feindlichen Panzer aufhalten und diesen unsinnigen Krieg gewinnen. Aus diesem Grund ließen sie wichtige Brücken über Flüsse zerstören, um die Verkehrswege zu unterbrechen.

Der Krieg hatte seine Spuren aber nicht nur an Häusern und Brücken hinterlassen, sondern auch in den Seelen der Menschen, besonders der Kinder. Heulende Sirenen, die Flucht vor Bomben und Panzern, das Warten in engen Kellern auf das Ende eines Bombenangriffs, der Anblick von Trümmern und Leichen; dies alles hat Kinder geprägt und Spuren der Angst hinterlassen.

Noch lange nach Kriegsende wurden viele Kinder von diesen schlimmen Erinnerungen begleitet. Feuerwerke, das Martinshorn der Feuerwehr, Blitz und Donner erinnerten immer wieder an die schrecklichen Ereignisse. Kriegsverletzte, man nannte sie „Kriegsversehrte“, bestimmten lange das Bild der Straße. Es war keine Besonderheit, bein- bzw. armamputierte Menschen zu sehen oder in verbrannte und vernarbte Gesichter zu blicken.

Typisch für das Leben der Kinder in dieser Zeit war die Abwesenheit der Väter. Millionen Männer waren gefallen, Hunderttausende in Kriegsgefangenschaft. Sie fehlten nicht nur im öffentlichen Leben, sondern ganz besonders auch in den Familien. Es gab kaum ein Wohnzimmer ohne Fotos mit gefallenen Soldaten, geschmückt mit einem schwarzen Trauerflor.

Das schlimmste Los hatten die Kriegswaisen und die Kinder, die auf der Flucht ihre Eltern verloren hatten. Sie waren für Monate, manche sogar für Jahre auf  sich alleine gestellt.
Unterrichtsmaterial:
Arbeitsblatt Spurensuche
Kinder nach dem Krieg
Bildersuche
Interview

 

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die gültige Währung in den Nachkriegsjahren, die Reichsmark, verlor zunehmend an Wert. Die Menschen hatten kein Vertrauen mehr in ihr Geld und benutzten stattdessen Waren als Ersatz. Was am begehrtesten war, hatte den höchsten Wert.

Auf dieser Basis konnte das zerstörte Deutschland nicht wieder aufgebaut werden. Schließlich entschlossen sich die Westalliierten, Frankreich, Großbritannien und die USA, eine Währungsreform vorzunehmen. Unter größter Geheimhaltung wurden neue, andere Geldscheine gedruckt.

Am 20. Juni 1948 war es so weit, die neue Währung wurde ausgegeben. Das neue Geld hieß nun „Deutsche Mark“, kurz: „D-Mark“, und sah aus wie der amerikanische Dollar. Material für Münzen hatte man nicht, so gab es selbst für 10 Pfennige einen Schein. Jede Person in der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone erhielt ein „Kopfgeld“ von 40 DM.

Die Sowjetunion fühlte sich durch die Währungsreform der Westalliierten provoziert und führte im Gegenzug dazu in der sowjetischen Besatzungszone die Ostmark ein. Diese Maßnahmen hatten die Teilung des Landes zur Folge. Es sollte für vierzig Jahre zwei unterschiedliche Deutschland geben, die durch eine Mauer und durch Stacheldraht voneinander getrennt waren.

In den Westzonen wirkte das neue Geld Wunder. Bereits einen Tag nach der Einführung des neuen Geldes waren die Geschäfte wie durch Zauberei gefüllt. Alles, was die Menschen vorher bitter nötig gehabt hätten, stand nun wieder in den Läden zum Verkauf bereit.

Mit der neuen Währung breitete sich auch ein neues Lebensgefühl aus. Man hatte wieder Lust zum Feiern, es wurden viele Kinder geboren und es gab Arbeit für Alle. Mehr und mehr zogen sich die Besatzungsmächte zurück. In Bayern durften, wie in auch in allen anderen westlichen Besatzungszonen, die wahlberechtigten Erwachsenen in demokratischen Wahlen ihre Volksvertreter wähle. Es war die Geburtstunde eines neuen demokratischen Staates, der Bundesrepublik Deutschland.
Unterrichtsmaterial:
Arbeitsblatt Spurensuche

 

 

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